Deutschland nur 1:1 gegen Finnland

Die deutsche Nationalmannschaft ist am letzten Spieltag der Qualifikation zur WM 2010 in Südafrika nur knapp an einer Blamage vorbei geschrammt. Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw kam am Mittwochabend in der Hamburger HSH Nordbank Arena gegen Finnland nicht über ein 1:1 (0:1)-Remis hinaus. Die DFB-Auswahl vor einer historischen Niederlage bewahrt hat Lukas Podolski mit seinem Treffer kurz vor dem Ende.

Insgesamt bekamen die Zuschauer eine schwache DFB-Vorstellung zu sehen. Nur vier Tage nach dem 1:0-Erfolg in Russland und der damit zusammenhängenden vorzeitigen Qualifikation konnte das deutsche Teamdie Spannung nicht aufrechterhalten und stand am Rande der ersten Niederlage gegen die Suomis seit 86 Jahren. In der 11. Minute hatte Jonatan Johansson die Gäste vor 51.500 Anhängern in der ausverkauften WM-Arena in Front gebracht.

Erst in der Schlussphase der Begegnung stemmten sich die Gastgeber gegen die sich anbahnende Niederlage und wurden durch den Kölner belohnt. Nur wenige Minuten zuvor hatten Miroslav Klose (84.) und Mesut Özil (85.) sehr gute Möglichkeiten zum Ausgleich vergeben. Löw hat in diesem Jahr nun noch zwei Chancen, seine WM-Kandidaten zu testen. Am 14. November gegen Chile und vier Tage später gegen Ägypten.

Statt dem angekündigten Offensiv-Fetival war Langeweile angesagt: Die gegenüber dem Russland-Spiel auf sechs Position neu formierte Mannschaft bot in dem vom Trainer ausgesprochenen ersten Tauglichkeitstest für das WM-Turnier viel Schatten und kaum Licht. So kam die umgebaute Startelf überhaupt nicht ins Spiel und passte sich dem gemächlichen Tempo der Gäste an. Insbesondere litt die Partie darunter, dass den Routiniers wie Michael Ballack und Philipp Lahm die gewohnte Konzentration fehlte. Zudem blieben diejenigen, die sich für die WM empfehlen wollten, weit unter ihren Möglichkeiten.

So unterliefen der neuen Mittelfeld-Achse mit Piotr Trochowski und Thomas Hitzlsperger viele Fehlpäse, und der erstmals in die Startelf berufene Cacau fand überhaupt keine Bindung zum Spiel. Das lag aber nicht nur an der Formschwäche des Stuttgarters, sondern auch an der Systemumstellung Löws, der nach dem Ein-Stürmer-Spiel in Russland zum 4-3-3 zurückgekehrt war. Doch weder Cacau noch Lukas Podolski auf der linken Seite schafften es, in den Rücken der finnischen Abwehr zu kommen. So blieb auch Mario Gomez in der Mitte praktisch wirkungslos. „Das ist nicht das Spiel, das wir machen wollten„, sagte Co-Trainer Hansi Flick in der Halbzeit sichtlich unzufrieden.

Mit der Einwechslung von Özil und einer taktischen Umstellung reagierte Löw auf die Unordnung in seinen Reihen. Die Aktionen wurden mit der Rückkehr zum 4-4-2 zwar energischer, aber nicht unbedingt zwingender. Geschickter stellten sich die Suomis an, deren dritter Platz in der Gruppe 4 bereits vorher feststand. Angetrieben von Regisseur Jari Litmanen nutzten die Gäste den Raum im Mittelfeld und spielten schnell und direkt in die Spitze.

In Moskau war Rene Adler unüberwindlich, doch gegen die Finnen wurde er nach Fehlern seiner Vorderleute früh bezwungen und musste erstmals nach 307 Minuten wieder einen Ball aus dem Netz holen. Andreas Beck verlor auf der rechten Abwehrseite das Laufduell gegen Roni Porokara, dessen Flanke erwischte Roman Eremenko mit dem Kopf vor Philipp Lahm und Johansson konnte in seinem 100. Länderspiel zur finnischen Führung abstauben, weil Westermann nicht eingriff.

Ballack versuchte eine schnelle Antwort, doch der Weitschuss des Kapitäns flog knapp über den Torwinkel (16.). Weitere Angriffsbemühungen der deutschen Elf endeten meist schon weit vor dem Strafraum der Gäste. Beim Schuss von Eremenko (34.) verhinderte Adler sogar einen höheren Rückstand. Nach ideenlosen ersten 45 Minuten wurden die deutschen Spieler vom erwartungsvollen Hamburger Publikum mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Halbzeitpause verabschiedet.

Mesut Özil für den schwachen Hitzlsperger und Christian Gentner für Ballack sollten mehr Schwung in die Aktionen der Hausherren bringen, doch zunächst war einmal mehr Adler gefordert, der einen Schuss von Eremenko (49.) meisterte. Klare deutsche Chancen blieben dagegen auch im zweiten Durchgang zunächst Mangelware. In der 61. Minute musste Jussi Jääskeläinen erstmals zupacken, als Niklas Moisander einen Trochowski-Schuss Richtung eigenes Tor abfälschte.

Erst in der Schlussphase wurde der deutsche Druck stärker, woran Özil großen Anteil hatte. In der 67. Minute prüfte Verteidiger Beck den finnischen Keeper, dann zischte ein Schuss von Özil an der langen Ecke vorbei, schließlich beschwor ein Querschläger von Johansson (81.) noch einmal Gefahr vor dem Kasten der Gäste herauf. Doch erst Podolskis Schuss fand den Weg ins Tor.

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